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PRIVATKLINIK REGENA BAD BRÜCKENAU
ADHS bei Frauen:
häufig eine stille Überforderung hinter der Fassade
Marina Prieb-Quast
veröffentlicht am 17. April 2026
Weltweit sind circa 2,5 Prozent der Erwachsenen von ADHS betroffen. Viele Erwachsene verbinden ADHS noch immer mit „zappeligen“ Jungs in der Schule. Mädchen und Frauen geraten in diesem Bild leicht aus dem Fokus – mit der Folge, dass ihre Symptome oft erst spät erkannt werden, manchmal gar nicht.
In der PRIVATKLINIK REGENA Bad Brückenau erleben wir immer wieder Patientinnen, die über Jahre gegen innere Unruhe, Überforderung und Selbstzweifel angekämpft haben – und erst im Erwachsenenalter erfahren, dass ADHS eine zentrale Erklärung für ihren Lebensweg sein könnte.
Dieser Beitrag richtet den Blick bewusst auf ADHS bei Frauen: Wie zeigt sich die Symptomatik? Worin unterscheidet sie sich von ADHS bei Männern? Und warum lohnt sich eine spezialisierte Diagnostik und Behandlung im Erwachsenenalter?
Was ist ADHS – kurz erklärt
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die sich durch anhaltende Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und nach innen oder außen gerichtete Hyperaktivität (z.B. in Form von Gedanken und Bewegungsdrang) auszeichnen kann. Sie beginnt in der Kindheit, kann aber – entgegen früherer Vorstellungen auch unter Fachkreisen – bei vielen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.
In der Fachliteratur werden im Wesentlichen drei Erscheinungsformen unterschieden:
• Vorwiegend unaufmerksamer Typ (früher oft als „ADS“ bezeichnet)
• Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ
• Kombinierter Typ (unaufmerksam-hyperaktiv)
Bei Frauen überwiegt im klinischen Erscheinungsbild häufig der unaufmerksame, „leise“ Typ mit innerer Unruhe, Desorganisation und emotionaler Instabilität – weniger die offen sichtbare Hyperaktivität.
Warum ADHS bei Frauen so oft übersehen wird
1. Ein anderes Erscheinungsbild als bei Männern
Männer mit ADHS fallen häufiger durch sichtbare Hyperaktivität, impulsives Verhalten oder Konflikte mit ihrem Umfeld auf. Sie unterbrechen andere, werden schnell laut, wechseln abrupt Themen oder geraten in riskante Situationen.
Bei Frauen zeigt sich ADHS dagegen oft in einer stilleren, nach innen gerichteten Form:
- Vergesslichkeit und chaotische Organisation
- Tagträumerei, „Abschweifen“ und Überforderung in anspruchsvollen Situationen
- Innere Anspannung oder ein unterdrückter Bewegungsdran statt sichtbarer motorischer Unruhe
- Starke Selbstkritik, Grübeln und emotionale Schwankungen
Anstatt aus der Reihe zu tanzen, versuchen viele Frauen ihre Symptome zu kontrollieren und „funktionieren“ um jeden Preis – eine hohe Anpassungsleistung im Job, in der Ausbildung, in der Partnerschaft, in der Familie…
2. Kompensation durch Perfektionismus und Anpassung
Viele Frauen entwickeln im Laufe der Jahre ausgeprägte Strategien, um ihre Schwierigkeiten zu kaschieren:
- Perfektionismus („Wenn ich alles perfekt mache, merkt niemand, wie zerstreut ich mich fühle.“)
- Überanpassung und Harmoniebedürfnis
- Übermäßige Verantwortung im Job und in der Familie
- Verzicht auf eigene Bedürfnisse, um keine Schwäche zu zeigen
- Nach außen wirken sie organisiert, hilfsbereit und leistungsbereit. Innerlich fühlen sie sich jedoch dauerhaft überfordert und erschöpft
3. Häufige Fehldiagnosen
Weil das Bild häufig anders erscheint oder in der Folge weitere psychische Leiden auftreten, wird ADHS bei Frauen häufig fehldiagnostiziert oder nur die sekundär entwickelte psychische Störung erkannt; etwa als:
- Depression oder „Erschöpfungsdepression“
- Angststörung
- Essstörungen
- Persönlichkeitsstörung (z. B. Borderline bzw. Emotional-Instabile Persönlichkeitsstörung)
Nicht selten werden die emotionalen Schwankungen und Beziehungsprobleme ausschließlich psychodynamisch gedeutet, während die zugrundeliegende Aufmerksamkeits- und Reizverarbeitungsstörung unerkannt bleibt.
Diagnostik im Erwachsenenalter: Wann „Frau“ genauer hinschauen sollte
Eine ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter stellt hohe Anforderungen: Es geht nicht nur um aktuelle Symptome, sondern auch um die Rückschau auf Kindheit und Jugend.
1. Typische Fragen im Rahmen der Diagnostik
Spezialisierte Fachärztinnen und -ärzte sowie ärztliche und psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nutzen strukturierte Interviews und standardisierte Fragebögen zum Beispiel:
- Ausführliches klinisches Interview zu Kindheit, Schulzeit, Beruf und Beziehungen
- Fragebögen zur Erfassung von ADHS-typischen Symptomen
- Erhebung von Komorbiditäten (Depression, Angst, Sucht, Persönlichkeitsstörungen)
Zusätzlich werden auch Fremdurteile einbezogen wie Beispielsweise die Sichtung der Zeugnisse, U-Hefte, Befunde aus der Kindheit oder Befragung der Eltern. Weiterhin werden körperliche Untersuchungen durchgeführt, um andere Ursachen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen) auszuschließen.
Wie die PRIVATKLINIK REGENA Bad Brückenau Frauen mit ADHS unterstützt
Die PRIVATKLINIK REGENA Bad Brückenau ist auf die Behandlung psychischer Erkrankungen im Erwachsenenalter und von Frauen spezialisiert – dazu gehört auch ADHS.
1. Multimodales Behandlungskonzept
In der Klinik wird ein multimodales Konzept eingesetzt, das medizinische, psychotherapeutische und psychosoziale Bausteine verbindet. Ziel ist es, Betroffenen zu ermöglichen, ihre Symptomatik zu verstehen, neue Handlungsspielräume zu gewinnen und nachhaltig an innerer Stabilität zu gewinnen.
In der Praxis begegnen uns dabei zwei typische Behandlungsszenarien: Einerseits kommen bereits diagnostizierte Frauen in unsere Klinik, um vom multimodalen Behandlungsprogramm zu profitieren – darunter auch die Anpassung einer Medikation, die insbesondere in Phasen starker hormoneller Veränderungen nicht mehr ausreichend wirksam sein kann. Andererseits kommen Frauen wegen anderer psychischer Erkrankungen in unsere stationäre Behandlung, und wir erkennen im Verlauf einzelne Puzzleteile, die als Verdachtsmomente für ein bislang unerkanntes – oft stilles – ADHS oder ADS gewertet werden.
Im Rahmen der Eingangsdiagnostik werden systematisch Screenings eingesetzt, die auch die internalisierte Variante der ADHS berücksichtigen. Bei einem positiven Ergebnis schließt sich eine ausführliche klinisch-strukturierte Diagnostik an. Auf dieser Grundlage kann die leitlinienorientierte Behandlung individuell angepasst und die zugrundeliegende neurologische Entwicklungsstörung konsequent mitberücksichtigt werden. Nach einer Psychoedukation und Aufklärung ist auch die Einleitung einer ADHS-spezifischen Psychopharmakotherapie möglich.
2. Ein Umfeld, das entlastet
Neben der fachlichen Expertise spielt das Umfeld eine zentrale Rolle:
- Ruhiges, gehobenes Klinikambiente, das Distanz zum belastenden Alltag schafft
- Strukturiertes Setting mit klaren Tagesabläufen
- Wertschätzende Atmosphäre, in der auch Brüche im Lebenslauf offen angesprochen werden dürfen
Gerade Frauen, die jahrelang funktioniert haben, erleben es als wohltuend, in einem geschützten Rahmen einmal nicht „alles gleichzeitig“ leisten zu müssen.
3. Geschlechtersensible Perspektive
Die Erfahrungen mit ADHS bei Frauen fließen in die therapeutische Arbeit ein:
- Berücksichtigung hormoneller Einflüsse (z.B. während der Schwangerschaft und nach Geburt, in der Perimenopause oder Menopause oder im Zyklusverlauf der Menstruation) und biografischer Lebensphasen
- Reflektion von Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen („perfekte Mutter“, „leistungsstarke Angestellte“)
- Sensibilisierung für typische Fehldiagnosen und ihre Folgen
- Berücksichtigung von Screenings, welche die internalisierte Variante der ADHS bei Frauen stärker berücksichtigt
So entsteht ein Behandlungsrahmen, der der spezifischen Lebensrealität von Frauen mit ADHS gerecht wird.
Weitere Informationen zu ADHS bei Erwachsenen und unseren Behandlungsmöglichkeiten finden Sie hier.
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